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20.02.2026

EU-Steuerregeln: Zeigen Wirkung – sind aber hochkomplex

Eine gemeinsame Studie des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der Universität Mannheim sowie Ernst & Young zu nationalen Spielräumen bei Anti-Steuervermeidungsregeln zeigt: Die EU-Steuerregeln zeigen Wirkung – sind aber sehr komplex.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuervermeidung in der EU wurden in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Die Studie zeigt auf, dass sich die nationalen Regelungen – trotz gemeinsamer Mindeststandards deutlich in ihrer Ausgestaltung und Strenge unterscheiden.

"Viele Mitgliedstaaten gehen tatsächlich über die EU-Mindestvorgaben hinaus. Das ist sicherlich gut gemeint und kann auch Steuervermeidung erschweren, führt aber zu großen Überschneidungen, Doppelregulierungen und insgesamt mehr Bürokratie", so Christoph Spengel, Professor für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim. Sophia Wickel, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich "Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft", ergänzt: "Die EU hat ein dichtes Netz an Maßnahmen gegen aggressive Steuerplanung geknüpft. In der Praxis führt die Vielfalt nationaler Ausgestaltungen jedoch zu erheblicher Komplexität."

Die Analyse zeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten die Vorgaben der Anti-Tax Avoidance Directive (ATAD) zwar flächendeckend umgesetzt haben, ihre konkrete Ausgestaltung jedoch erheblich variiert. Dies betreffe insbesondere die Hinzurechnungsbesteuerung, Zinsschrankenregelungen sowie Ausnahmen und Schwellenwerte. Dadurch entsteht laut ZEW eine zunehmende regulatorische Fragmentierung innerhalb des EU-Binnenmarkts. Für international tätige Unternehmen erhöhten sich dadurch die Rechtsunsicherheit und der administrative Aufwand erheblich. In der Folge stelle sich die Frage, ob die bestehende Vielfalt an Regelungen noch im Einklang mit dem Ziel eines möglichst einheitlichen europäischen Steuerrahmens steht.

Zudem überschneide sich die globale Mindeststeuer in vielen Fällen mit bestehenden ATAD-Maßnahmen und nationalen Anti-Steuervermeidungsregeln. Diese sei als ein weiteres zentrales Instrument zur Bekämpfung von Gewinnverlagerungen eingeführt worden, das vor allem niedrige effektive Steuersätze adressiert. Insbesondere in Ländern mit einer bereits sehr umfassenden Gesetzgebung könne es dadurch zu parallelen oder mehrfachen Belastungen desselben Sachverhalts kommen.

Vor diesem Hintergrund kommt die Studie zu dem Schluss, dass die EU die globale Mindeststeuer wieder aufheben und ihren Fokus auf eine konsolidierte Weiterentwicklung der ATAD sowie auf koordinierte nationale Maßnahmen legen sollte.

Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, PM vom 19.02.2026